
Topthemen - Basel II
Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht sah 1988 unter dem so genannten
„Baseler Eigenkapitalakkord“ eine Unterlegung von Risikopositionen
(Kreditrisiko + Marktrisiko+ Operatives Risiko) der Bank mit 8% haftendem Eigenkapital vor. ( Basel I )
Obwohl trotz dieser Gläubigerschutzmaßnahmen Banken insolvent worden waren und in den 90-er Jahren von einer Bankenkrise die Rede gewesen war, hat der Baseler Ausschuss im Jahre 2001 einen Entwurf zur Neuregelung der internationalen Eigenkapitalrichtlinien vorgelegt. (Basel II)
Der bereits mehrfach modifizierte Entwurf sieht eine Eigenkapitalunterlegung nach Risikoklassen bzw. Risikogewichten sowie die Berücksichtigung neuer interner Risikomanagementsysteme und Instrumente des Kapitalmarktes vor. In einem 3-Säulen System sollen die Bankenaufsicht und der Risikoschutz verbessert werden. Das Ziel dieser Regelung ist somit eine größere Sicherheit des Weltfinanzsystems um damit Insolvenzen im Bereich der Banken und Finanzierungsgesellschaften zu verhindern. Gleichzeitig sollen dadurch nicht mehr zeitgemäße Vorschriften ersetzt und die Transparenz des Marktes für alle Marktteilnehmer optimiert werden.
Banken werden demnach vom Gesetzgeber verpflichtet ihre Kreditvergabe der Bonität des Kunden anzupassen und in unterschiedlichem Umfang mit Eigenkapital zu unterlegen.
Die Banken werden daher die Kosten der erhöhten Eigenkapitalunterlegung verursachergerecht an die Kunden weiterverrechnen, was nichts anderes
bedeutet als: Je schlechter die Bonität, desto höher die Risikokosten einer Bank und desto höher die Eigenkapitalunterlegung.
Die Bonität des Unternehmens wird durch ein Rating-Verfahren ermittelt.
Diese neuen Eigenkapitalrichtlinien ( Basel II ) werden schon seit geraumer Zeit von den Banken angewandt und mit 01.01.2007 in Kraft treten.
Bonitätsprüfung des Unternehmens mittels Rating:
Die „Bonität“ des Kreditnehmers wird durch ein spezifisches „Rating“ und ein damit verbundenes Rating-Urteil entsprechend eingestuft bzw. zugeordnet. Der Begriff des Ratings als systematische und periodische Beurteilung der Kundenbonität stammt aus dem Wortschatz des internationalen Kapitalmarkts.
“Ein Rating ist daher ein möglichst objektives Urteil über die Fähigkeit eines Schuldners, in Zukunft seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können!“
Die Bonität bzw. Risikoqualität der Unternehmen ist der wesentliche Faktor für die Konditionen-Gestaltung am Kapitalmarkt. Für die Banken ist es daher von großer Bedeutung, dass der Kreditnehmer in der Lage ist, seinen Zahlungsverpflichtungen nach zu kommen.
Die Grundlagen für ein Rating lassen sich gliedern in:
Quantitative Kennzahlen (hard facts)
Darunter versteht man eine Analyse des Jahresabschlusses, der Finanzierungsstruktur, der Planungsunterlagen und der Cash-flow -Entwicklung (hard facts).
Aus diesen Zahlen errechnet die Bank das Bilanz-Rating.
Qualitative Kennzahlen (soft facts)
ergänzen das Rating-Ergebnis durch zusätzliche Daten, wie z.B. die Einschätzung des Managements, Branchenentwicklung, Unternehmensstrategie, Verträge, Patente etc. (soft facts).
Somit gelangt dann die Bank zur Einordnung des Kreditnehmers in eine Bonitätsklasse. Für jede Bonitätsklasse wird die Ausfallswahrscheinlichkeit ermittelt, welche in die Preisbildung für einen Kredit einfließt.
Auswirkungen für Unternehmen in Österreich:
Generell gilt, dass höhere Risiken höhere Zinsen bewirken. Wenn die Bank bei einem schlechten Rating mehr Eigenkapital unterlegen muss, erhöhen sich auch ihre Eigenmittelkosten. Diese erhöhten Kosten werden möglicherweise über höhere (Kredit-)Zinsen an den Kreditnehmer weitergegeben. Umgekehrt profitiert ein Kreditnehmer mit gutem Rating von niedrigeren Kreditzinsen, weil die Bank für den Kredit geringere Eigenmittel hinterlegen muss.
Gemäß Basel I war jeder Kredit mit einheitlichen 8 % Eigenmitteln zu unterlegen. An dieser Vorgangsweise hat sich mit Basel II grundsätzlich nichts geändert. Jedoch werden die ausstehenden Forderungen der Bank nunmehr, je nach Rating des Geschäftspartners, mit einem Prozentsatz zwischen 0 % (beispielsweise Forderungen gegenüber OECD-Ländern) und 150 % gewichtet. Die daraus resultierenden „risikogewichteten Aktiva“ sind mit jeweils 8 % Eigenkapital zu unterlegen. Die hier getroffenen Aussagen beziehen sich auf den Standardansatz.
Im bankinternen Verfahren (IRB-Verfahren) werden alle Informationen des Unternehmens gesammelt und für ein Urteil des Kreditrisikos herangezogen.
Die jeweiligen Banken können nach freiem Ermessen diese Informationen im Rating-Prozess entsprechend gewichten. Dadurch kann das Rating-Ergebnis je nach Herkunft der Bank in einer gewissen Bandbreite schwanken.
Das Rating ist daher ein Instrument für beide Seiten, ein Maß an Transparenz, Offenheit eine neue „Marktsprache“ aber auch ein entscheidender Faktor für die Wahlmöglichkeit eines Unternehmens seine Finanzierungsstruktur und damit auch die Höhe der Finanzierungskosten maßgeblich zu beeinflussen.
Allgemeine Kritik:
Problematisch könnten sich die Vorschriften für Unternehmen aus dem Mittelstand herausstellen, da diese wenig bis knapp über Eigenkapital verfügen.
Damit ist für sie eher ein „schlechtes Rating“ zu erwarten.
Um diese Besonderheit zu berücksichtigen, wurde mit dem Basler Ausschuss eine Einigung erzielt, bei der die Eigenkapitalunterlegung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) deutlich geringer ausfällt. Damit werden KMU-Kredite aus Sicht der Banken eine günstige, weil Eigenmittel sparende Kreditnehmergruppe. Dennoch fehlt vielen KMU bis heute die entsprechende Vorbereitung auf Basel II, um die für Basel II nötigen Dokumente zu erstellen.
Die Banken müssen auf bereits aus zwei Jahren gespeicherten Daten zurückgreifen um Parameter wie Bonitätskennziffern, Ausfallsquoten, und Ratings
vorweisen zu können.
Jedes Unternehmen wird bei der Kreditantragsstellung wie ein Neukunde behandelt,
somit wird die Bearbeitungszeit erheblich verlängert. Für jeden Kredit wird entsprechend
wirtschaftliches Zahlenmaterial eingeholt. Hinzu kommt noch, dass der Kreditnehmer Zukunftsprognosen hinsichtlich Ertrag, Liquidität und Unternehmensziele benötigt.
Viele Unternehmen werden diesen Anforderungen nicht zur Gänze folgen können und daher aufgrund des Aufwandes auf eine Bankfinanzierung verzichten.
Dazu kommt noch, dass sich tendenziell die Bankfinanzierungen verteuern, denn die Kalkulation des Zinssatzes wird von der Eigenkapitalausstattung und Rentabilität des Unternehmens abhängig gemacht werden. Die Kreditinstitute haben aber gemäß ihrer Wettbewerbssituation ein Wahlrecht betreffend der Anwendung der Risikoaufschläge erzielen können.
Resume
Für Großunternehmen bedeutet dies, dass der stark steigende Wettbewerb unter den Banken bzw. der Zugang zu alternativen Kapitalquellen wie Venture Capital, Private Equity, sowie die Platzierung an den Kapitalmärkten mehr Alternativen und Möglichkeiten als in der Vergangenheit bietet.
Für Klein- und Mittelbetriebe ( KMU) mit einem Kreditobligo bis zu € 1 Mio. und einem Umsatz bis € 50 Mio. bedeutet dies, dass sie in den Retailbereich nach Basel II fallen und teilweise von der Risiko gewichteten Eigenmittelunterlegung (Reduktion von 100% auf 75%) ausgenommen wurden. Mit der Beseitigung einer Schlechterstellung von langfristigen gegenüber kurzfristigen Krediten sowie der Anrechnung zusätzlicher im Landesverkehr üblicher Sicherheiten wurden wichtige Erleichterungen erzielt.
Trotzdem werden die Banken ihre Risikobemessung auf Klein- und Mittelbetriebe ausdehnen und ihre neuen Rating-Modelle nach Basel II einsetzen.
Die Bonitätsbeurteilung des Unternehmens wird jedenfalls auf die Vergabe des Kredites und auf dessen Kosten (Höhe des Zinssatzes) einen stärkeren Einfluss nehmen als bisher.
Ein Ausweg könnten unter Umständen moderne Refinanzierungsprodukte wie zum Beispiel Factoring, Leasing etc. sein.
Die dadurch frei werdende Liquidität kann der Unternehmer beispielsweise für bessere Konditionen bei Lieferantenkredite bzw. für einen Kredit verwenden.
Ebenso sind Banken in der Lage, eine vorhandene Eigenkapitalbelastung mittels eines Kreditportfolios durch Verbriefung desselben aus der Bilanz zu nehmen und somit Eigenkapital freizusetzen.
Basel II wirkt volkswirtschaftlich Struktur-erhaltend. Unternehmen mit dem besten Rating- also der besten Bonität, erhalten die günstigsten Kreditkonditionen. Diese Unternehmen sind aber naturgemäß auch die Unternehmen, die am wenigsten Kredite benötigen.
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