
Topthemen - Gescheiterte Finanzierung
Firmenpleiten: „Das Unglück ist ein Vogerl“
Wenn der Pleitegeier landet und sich der „Kuckuck“ auf einem Unternehmen
niederlässt, wurde oft schlecht finanziert.
„Mangelndes Eigenkapital und unternehmerische Unerfahrenheit führen oft zur Pleite.“
Zuerst die gute Nachricht: Die Zahl der Unternehmenspleiten in Österreich wird heuer voraussichtlich unter die Zahl des Vorjahres sinken. Gab es 2005 insgesamt 7056 Fälle, so wird der Wert für 2006 voraussichtlich unter 6900 liegen, so die Berechnungen des heimischen Gläubigerschutzverbandes KSV 1870.
Schlechte Nachricht
Die weniger gute Neuigkeit: Die Zeit des billigen Geldes nähert sich aufgrund des weiter fortschreitenden Zinsanhebungszyklus in Europa langsam ihrem Ende: Unternehmen mit hoher Schuldenlast werden daher schon in sechs bis zwölf Monaten spürbar höhere Zinsaufwendungen in
Kauf nehmen müssen. Die Insolvenzen könnten somit bereits im kommenden Jahr wieder ansteigen. Um das Unternehmen vor dem Pleitegeier zu schützen, empfiehlt sich neben der richtigen Selbst-Einschätzung und der unternehmerischen Fähigkeiten eine gesunde Finanzierungsbasis. Für den KSV ist Eigenkapital die wichtigste Voraussetzung dafür, dass ein unternehmerischer Fehler nicht gleich das gesamte Unternehmen in die Tiefe zieht; in guten Zeiten mag es als Belastung empfunden werden – aber in schlechten Zeiten trägt es enorm zur Stabilisierung bei. „Die Hälfte der Unternehmen, die insolvent werden, sind jünger als zehn Jahre. “Unternehmensgründung und -expansion aufbauend auf Bankkrediten ist ungesund und gefährlich. Will Österreich in Zeiten des schwachen Wirtschaftswachstums weiterhin innovative und expansive Unternehmen hervor bringen, dann geht das nur über Risikokapital“, rät Hans-Georg Kantner, Insolvenzexperte des KSV. Laut einer Umfrage des Gläubigerverbands ist mangelndes Eigenkapital auch zu zehn Prozent für Unternehmensinsolvenzen verantwortlich. Aus diesem Grund sind finanzschwache KMUs stärker Insolvenz gefährdet als Großunternehmen mit viel Know-how, Erfahrung und nicht zuletzt Kapital. Besonders insolvenzanfällig sind aber junge Unternehmen – die Hälfte der von Insolvenz betroffenen Unternehmen sind nicht mehr als zehn Jahre alt“, erläutert Kantner.
Gefährdet
Casandra Hermann, geschäftsführende Gesellschafterin einer Steuerberatungskanzlei bestätigt: „Gerade junge, unerfahrene Unternehmer sind gefährdet. In Kleinst-Betrieben muss eine Person oftmals eine Vielzahl von Funktionen gleichzeitig übernehmen, die handelnden Personen sind dann schnell überfordert – die Managementfehler häufen sich. Wenn der Betrieb nur mangelhaft
mit Eigenkapital ausgestattet ist, fehlt der finanzielle Polster und die Situation wird prekär.“
Was tun also, wenn das Geld ausgeht und das Wasser bis zum Hals steht?
Wichtig ist es möglichst schnell eine Status-quo-Analyse durchzuführen, wobei man auf externe Hilfe wie Steuerberater und Rechtsanwalt zurückgreifen sollte. Gemeinsam kann man leichter feststellen, ob man insolvent oder nur vorübergehend illiquid ist. Insolvenz bedeutet Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung, die Eröffnung eines Ausgleichs- oder Konkursverfahrens ist erforderlich. Zahlungsunfähigkeit liegt vor, wenn die fälligen Zahlungen nicht mehr geleistet werden können. Von Überschuldung spricht man, wenn die Verbindlichkeiten höher sind als das Vermögen und es keine positive Fortbestandsprognose gibt. Der Schuldner ist verpflichtet, binnen 60 Tagen ab Eintritt der Insolvenz ein Insolvenzverfahren bei Gericht zu beantragen. Zuständige Behörde ist das jeweilige
Landesgericht (in Wien: das Handelsgericht). Bei rechtzeitigem Handeln kann der Konkurs möglicherweise abgewendet werden.
Quelle:Kurier
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