EU-Geldtöpfe sind prall gefüllt

1,3 Milliarden Euro an Regionalförderungen sind 2007 bis 2013 reserviert.


Kleine Firmen haben diesmal besonders gute Chancen, am Kuchen mitzunaschen.
Schon mal EU-Förderungen bekommen?
Nein? Dann wird es höchste Zeit. Denn für Klein- und Mittelbetriebe (KMU) wird es in der Brüsseler Förderperiode 2007 bis 2013 noch leichter, am Förderkuchen mitzunaschen. Allein an Regionalförderungen werden insgesamt 1,3 Milliarden Euro bereitstehen – das sind Gelder für benachteiligte Gebiete, die helfen sollen, den Abstand zwischen wirtschaftlich schwachen und prosperierenden Regionen EU-weit zu verkleinern. Dazu kommen maßgeschneiderte Förder-Programme für Innovation, Forschung oder Weiterbildung. „Unternehmen sollten vor jeder Investition die Förderfrage stellen“, sagt Heinz Kogler von der Wirtschaftskammer. Wie? Einfach auf www.wko.at/foerderungen das Bundesland, die Branche und den Zweck der Investition eingeben, und schon werden die in Frage kommenden Geldtöpfe aufgelistet. Wer etwa „Burgenland“, „Dienstleistung“ und „EDV“ eingibt, hat den Förderjackpot bereits geknackt. Denn erstens ist das Burgenland das am stärksten geförderte Bundesland und zweitens hat die EU für die nächste Förderperiode einen Schwerpunkt auf neue Technologien und Wettbewerbsfähigkeit gesetzt.
Doch auch ein Waldviertler Produktionsbetrieb, der eine neue Werkshalle plant, wird bestens bedient: Denn die Union fördert jene Firmen, die nahe an den neuen osteuropäischen EU-Mitgliedsländern werken, besonders. Der Grund: Die tschechischen, slowakischen, ungarischen oder slowenischen Betriebe jenseits der Grenze bekommen die volle Förderpalette; das künftige Fördergefälle zu Österreich soll etwas ausgeglichen werden.
Versteckt

Neben den Förderungen aus Brüssel spuckt die Suchmaschine der Wirtschaftskammer gegebenenfalls auch potenzielle Förderungen von Bund und Ländern aus. Die Trennung fällt schwer: Auf den EU-Töpfen steht meistens gar nicht EU drauf. Denn das Geld wird bei österreichischen Förderstellen
beantragt und auch von diesen verwaltet. Außerdem gibt es den Brüsseler Geldregen nur mit entsprechender Ko-Finanzierung des Bundes oder der Länder. Und neben den eindeutigen EU- Förderungen gibt es eben andere Förderungen, im Fall des Waldviertels etwa die beim Land Niederösterreich zu beantragende„Investitionsprämie für das Wald- und Weinviertel“. Wo wirklich Brüssel drin steckt, das kristallisiert sich meist erst einige Schritte nach der Antragstellung heraus. Die wichtigste Förderstelle in Österreich ist die staatliche Förderbank Austria Wirtschaftsservice AWS. Darin integriert ist der ERP Fonds, der den Großteil der EU-Regionalfördungen verwaltet. Auch hier sind EU-Zuschüsse nicht immer sichtbar. Transparenter sind Förderprogramme, die sich auf innovative, meist grenzüberschreitende Projekte beziehen und direkt über die EU beantragt werden (eTENodereContentplus). Heuer endet die seit 2000 laufende Förderperiode der EU.

Die nächste von 2007 bis 2013 verspricht einige Änderungen: So wird es die „Ziel-1“ und „Ziel-2“- Gebiete nicht mehr geben, zumindest nicht dem Namen nach. Aus Ziel-1 wird Ziel- „Konvergenz“. In Österreich wird nur das Burgenland in den Genuss von 160 Millionen Euro aus diesem Topf kommen. Es ist eine Art Ausstiegsprogramm aus der goldenen Ziel-1-Zeit. Denn mit dem Beitritt der osteuropäischen Länder verschiebt sich der Förderschwerpunkt Brüssels nach Osten und das Burgenland wird gemessen am neuen EU-Durchschnitt reicher – und weniger „förderungswürdig“. Aus dem alten „Ziel-2“wird Ziel „Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“. Der mit über 900 Millionen Euro gespeiste Topf hält für Klein- und Mittelbetriebe aus den restlichen Bundesländern einiges bereit.

Geändert wurde, dass nicht einzelne Ziel-2-Regionen in den Bundesländern definiert werden, wie etwa Bezirke im Waldviertel, sondern, dass das ganze Bundesgebiet zählt. „Nun gibt es keinen Fleckerlteppich mehr“, sieht es Kogler positiv. Firmen, die an den Topf wollen, müssen innovative oder Arbeitsplätze schaffende Projekte vorweisen. Für die besondere Förderung von Grenzregionen stehen 150 Mio. € zur Verfügung.
„Durchge„cip“t: Ein für kleinere Betriebe maßgeschneidertes Förderprogramm der EU ist CIP, das Rahmenprogramm für Innovation und Wachstum. Das ab 2007 laufende CIP fördert Unternehmen, erleichtert Neugründungen sowie Nachfolgeregelungen und stärkt die Innovationsbereitschaft von Familienbetrieben. „Wissen soll in Produkte, Lizenzen und dann in Geld umgewandelt werden“, lautet das Motto der CIP-Verantwortlichen. Die Finanzierung der einzelnen Projekte erfolgt durch Risikokapital und Garantien. Die EU-Fördergelder, die über die Europäische Investitionsbank (EIB) verwaltet werden, werden üblicherweise als Kreditbesicherung verwendet und durch private Zusatzkredite um ein Vielfaches ergänzt. Außerdem will sich die Europäische Union als Risikokapitalgeber (Venture Capitalist) erstmals auch direkt an innovativen Projekten beteiligen.

Quelle: Kurier

 
 
 
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