
Die neue Ratingkultur
Was im Hotelgewerbe die Sterne sind, ist im Bankwesen das Rating. Banken müssen im Kreditvergabeprozess die Bonität eines Kreditnehmers einschätzen, also seine Fähigkeit, gegenwärtigen und zukünftigen Zahlungsverpflichtungen an Kapitaltilgung und Zinszahlungen vollständig und termingerecht nachzukommen. Sinn eines Ratings ist es, sich schnell und in Kurzform ein Bild über den möglichen Geschäftspartner machen zu können. Dazu wird eine ganze Reihe unterschiedlicher Informationen herangezogen, die vom Kreditkunden bereitgestellt werden und die abschließende Beurteilung der Geschäftsgrundlage erlauben sollen.
Durch die Einführung von Basel II in Österreich wird es zu einer Intensivierung der Ratingkultur kommen, denn durch die neuen Vorschriften wird das entsprechende Prozedere im Rahmen des Ratingprozesses standardisiert, objektiviert und rationalisiert. Obwohl den Banken dabei noch genügend Spielraum für die Individuelle Gestaltung ihres Ratingverfahrens bleibt, gibt es gewisse Gemeinsamkeiten.
So setzt sich etwa ein Ratingverfahren in der Regel aus den folgenden Bestandteilen zusammen:
. den hard facts oder quantitativen Faktoren
. den soft facts oder qualitativen Faktoren
. den externen und internen Warnhinweisen/Frühwarnindikatoren und
. der Kontendatenanalyse
Die hard facts werden zum überwiegenden Teil aus den Jahresabschlüssen gewonnen, aus denen gewisse Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote, der Cash Flow usw. ermittelt werden. Soft facts betreffen wiederum etwa den Managementstil, die Qualifikation des Personals, Organisation und Controlling im Unternehmen. Durch entsprechende Vorbereitung lassen sich alle Komponenten, die ins Rating eingehen, optimieren. Dafür ist es aber notwendig, sich aktiv mit der Analyse des eigenen Unternehmens zu beschäftigen und die daraus gewonnenen Informationen der Bank auch professionell zu präsentieren.
Gelingt dies, so steht den verdienten „Sternen“ – und dem Kredit – nichts mehr im Wege . . .
Quelle: Kurier
|
|