ALTERNATIVE FINANZIERUNG - FINETRADING WEITET DIE KREDIT-KLEMME

Auf Grund niedriger Eigenkapitalquoten und gestiegener Bonitätsanforderungen stoßen etliche Fachhändler an die Grenzen der Kreditfinanzierung. Neue Möglichkeiten das Umlaufvermögen zu finanzieren, erhöhen die Liquidität.
Unter dem Druck von Basel II wird es für kleine und mittelständische Unternehmen immer schwieriger, von den Banken und Sparkassen günstige Kredite zur Finanzierung ihres Umlaufvermögens zu erhalten. Manchmal verschafft ein Lieferantenkredit etwas Luft, allerdings liegen die Konditionen dabei oftmals im zweistelligen Zinsbereich.


„Als günstigere Alternative wurde in der Schweiz ein neues Finanzierungsinstrument entwickelt, das nun auch in Deutschland zunehmende Beachtung findet“, weist Professor Dirk Hachmeister, Fachbereich Rechnungswesen und Finanzierung der Universität Hohenheim, auf das so genannte Finetrading hin. „Diese vorgelagerte Umlaufvermögen-Finanzierung hilft insbesondere mittelständischen Unternehmen, den Einkauf notwendiger Handelswaren wie beispielsweise Reifen zu finanzieren“.
Das Verfahren läuft folgendermaßen ab: Ein Reifen-Fachhändler stellt sich bei der Finetrading-Gesellschaft vor und lässt seine Bonität prüfen. Wird er als Kunde akzeptiert, stellt er seine gewünschte Order zusammen und spricht mit dem Hersteller die Liefer- und Zahlungskonditionen ab. Die Finetrading-Gesellschaft bestellt daraufhin die Reifen und begleicht die Rechnung, sobald die Ware beim Reifenhändler eingetroffen ist. Durch die sofortige Bezahlung des Lieferanten nach Rechnungsstellung kann die Gesellschaft das gewährte Skonto in Anspruch nehmen.


Gleichzeitig räumt die Finetrading Gesellschaft dem Reifen-Fachhändler einen Lieferantenkredit ein, den er flexibel innerhalb von vier Monaten zurückzahlen kann.In der Zwischenzeit erhält er die Möglichkeit, durch den Verkauf der Ware das Umlaufvermögen zu finanzieren. Zahlt der Händler die Summe innerhalb von 30 Tagen zurück, fallen keine weiteren Kosten an. Die Finetrading-Gesellschaft profitiert dann allein von der Skontierung des Rechnungsbetrages in Höhe von drei Prozent. Bei einem vereinbarten Zahlungsziel von 90 Tagen zahlt der Händler Zinsen von derzeit weniger als drei Prozent.
Dieses Konzept des Zahlungsaufschubes verschafft dem Unternehmer mehrere Vorteile: Zinsen werden taggenau nur für die Zeit der beanspruchten Lieferanten Kredite berechnet. Weil die Rechnung des Herstellers sofort beglichen wird, treten keinerlei Zahlungsverzögerungen auf.

Dadurch gelangt der Reifen-Fachhändler seinen Lieferanten gegenüber in eine wesentlich günstigere Verhandlungsposition, denn fortan gilt er als pünktlicher und verlässlicher Zahler. Zugleich ermöglicht die optimierte Liquidität es dem Händler wie dem Lieferanten, Ihre Finanzmittelplanung zu vereinfachen. Und letztlich schont der Fachhändler seine Kreditlinien sowie die Sicherheiten der Hausbank und erhöht auch dort sein Standing. Und: Der auf die Finetrading-Gesellschaft übertragene verlängerte Eigentumsvorbehalt gibt dem Händler die Sicherheit, offene Forderungen, die im Zusammenhang mit dem Verkauf der Reifen entstanden sind und vom Abnehmer nicht vereinbarungsgemäß bezahlt werden, dem Geldgeber zu überantworten. Anders als beim Factoring, bei dem der Unternehmer seine Forderungen für erbrachte Leistungen oder verkaufte Waren gegen Abzug einer Gebühr verkauft.


 



 
 
 
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